ev. Jakobus Kirche
Jakobusaltar
Jakubusaltar

D E R   J A K O B U S A L T A R   I N   B R E C K E R F E L D 

Ein Artikel aus dem EN-Journal Frühjahr 1999

Zwölf Frauen haben sich in der Jakobuskirche Breckerfeld versammelt. Jede von Ihnen hat eine Geschichte zu erzählen. Barbara zum Beispiel:

Um sie vor dem Christentum zu schützen, verbarg ihr Vater sie in einem Turm. Oft schaute sie aus den zwei Fenstern ihrer Wohnung hinaus in die Welt.
Nach einer Weile ließ sie ein drittes Fenster schlagen. Von ihrem Vater befragt, was das zu bedeuten habe, bekannte sie sich offen zur heiligen Dreifaltigkeit, zum Christentum. In maßlosem Zorn übergab der überzeugte Heide sie dem Richter. Als sie selbst nach schlimmsten Folterungen nicht widerrief, enthauptete ihr Vater sie eigenhändig.


Blick vom Kirchturm

N U R   W E I B L I C H E   H E I L I G E   A U F   D E N   A L T A R F L Ü G E L N 

Nicht weniger schwere Lebenswege haben die anderen Frauen hinter sich. Jeweils zu sechst, immer drei in einer Reihe, stehen die Heiligen im linken und im rechten Flügel des dreiteiligen Altars. So umgeben sie die Mutter Gottes im Mittelteil des Triptychons, die das Jesuskind auf ihrem Arm hält. Marie wird eingerahmt von den beiden einzigen männlichen heiligen in dieser Runde: vom Sankt Jakobus auf der linken und Sankt Christopherus auf der rechten Seite.

Der Altarfuß trägt die drei Altarteile. Er zeigt das Abendmahl und die Fußwaschung des Petrus.
Geschichten wie die von Barbara sind in der evangelischen Kirche in Breckerfeld lebendig.
Denn jede der christlichen Figuren ist erstaunlich lebensecht in Holz geschnitzt worden.


R I E M E N S C H N E I D E R S C H E   Z Ü G E 

Über den Schöpfer dieses Kunstwerkes weiß man nichts. Zwar scheint der Meister der Bildhauer- und Schnitzkunst, Tilmann Riemenschneider, Einfluß auf den Schnitzer gehabt zu haben. Der Altar selbst wurde aber wahrscheinlich um 1515 in Lübeck gefertigt. Das schwere Eichenholz wurde dann in die Breckerfelder Jakobuskirche transportiert.


M U S C H E L N ,   H Ö L E Z E R N E S   K R U Z I F I X ,   D I E   W A L F I S C H R I P P E 

Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche selbst schon 300 Jahre alt. Erbaut im romanischen Spitzbogenstil, war die Kirche um 1400 um Chor und Sakristei im gotischen Stil erweitert worden. Diese Vergrößerung ihrer Kirche konnten die Breckerfelder sich leisten: Durch den aufblühenden Handel wuchs der Reichtum in der Hansestadt.
Heute ist die Jakobuskirche Westfalens einzige hochgotische Basilika. Nicht nur deshalb ist diese Kirche eine Besonderheit. Der Heilige, nach dem sie benannt ist, ist zwar auch der Schutzpatron Spaniens.
Dafür gab es im Mittelalter aber nur in der Jakobuskirche in Breckerfeld einen Brauch , der in keiner anderen Jakobuskirche bekannt ist:
Nach beendeter Wallfahrt ließen die Pilger eine ihrer Muscheln als Dankgabe hier zurück. Schon damals muß das älteste Kunstwerk der Kirche den Altar geziert haben, das heute nur zu Gottesdiensten hervorgeholt wird:
Ein romanisches Astkreuz, dessen Entstehungszeit nicht mehr genau datierbar ist. Ebenfalls eine Rarität in der Kirche ist die Walfischrippe an der Wand gegenüber dem Altar. Ein hansischer Kaufherr hatte sie der Kirche nach gut überstandener Nordlandreise geschenkt.


Blick auf die Frankfurter Straße

Blick auf die Frankfurter Straße

M I T T E L P U N N K T   D E R   K I R C H E 

Ein halbes Jahrtausend alt, ist trotzdem der Altar Mittelpunkt der schlichten Kirche: Weniger sensationsheischend, aber anrührend.
Denn zwölf heilige Frauen werden bei längerem Betrachten wieder lebendig. Mit ihren feinen Gesichtszügen, den unterschiedlich fallenden Stoffbahnen ihrer Gewänder und den Beigaben, die ihre Geschichte erzählen. Barbara zum Beispiel hält besagten Turm im Arm, der sie vor dem christlichen Glauben schützen sollte...inmitten der heutigen Gläubigen.


Jakobus Kirchturm


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